E-Mail Interview mit Michael Kunze

Ich bin Jahrgang 1978 und interessiere mich seit meinem 12. Lebensjahr für die Astronomie. Aufgrund der schlechten Beobachtungsbedingungen in Ballungsräumen, so auch bei mir in Moers am Rande des Ruhrgebietes, habe ich mein Hobby mit meiner Neigung zu reisen kombiniert.
Mein Beruf als Wirtschaftsinformatiker kommt mir in so fern zu Gute, dass das Hobby viel mit PC und computergesteuerter Hardware und Software zu tun hat.

Die Strudelgalaxie, auch als Whirlpool-Galaxie, Messier 51 oder NGC 5194/5195 bezeichnet, ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Jagdhunde. Aufnahme von Michael Kunze.
Die Strudelgalaxie, auch als Whirlpool-Galaxie, Messier 51 oder NGC 5194/5195 bezeichnet, ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Jagdhunde. Aufnahme von Michael Kunze.

01) Michael, zu Beginn unseres Email-Interviews stelle ich Dir die Frage alle Fragen: wie wurdest Du Astrofotograf?

Ich habe mich schon früh für die Astronomie interessiert. Als kleiner Junge habe ich fasziniert in den Himmel geschaut und mir ein Fernglas zum Geburtstag gewünscht. Damit habe ich dann erste Beobachtungen gemacht. Nachdem ich ein kleines Newton-Teleskop erworben habe, konnte ich auch tiefer in den Himmel schauen. Erstmalig in der Schweiz habe ich die Sommermilchstrasse gesehen und hatte das Bedürfnis dies im Bild festzuhalten. So kam eins zum anderen und meine Leidenschaft der Astrofotografie begann. Gefördert durch den lokalen Astronomieverein, der Moerser Astronomischen Organisation e.V., und meiner Eltern konnte ich das Hobby immer weiter ausbauen. Entwickelte sich weiter und so kann ich mir ein Leben ohne Kamera nicht mehr vorstellen.

02) Du hast Wirtschafts-Informatik studiert. Wie kam es dazu?

Eigentlich über einen Umweg. Ich habe eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert, stellte aber fest, dass dies nicht ganz mein Ding ist. Ich konnte im Ausbildungsbetrieb in der IT-Abteilung einsteigen und habe mich fortbilden müssen, um in diesem Sektor Fuß fassen zu können. Ich studierte Wirtschaftsinformatik an einer berufsbegleitenden Fachhochschule.

04) Wie sieht der „Arbeitsalltag“ eines Astrofotografen aus?

Durch das Fortschreiten der Technik baue ich mein Teleskop auf, schließe meine Kamera an starte das „computergesteuerte“ Teleskop. Nachdem alles eingerichtet ist, kann ich alles alleine laufen lassen und lege mich ins Bett. Am Morgen, wenn die Dämmerung beginnt, wird alles abgebaut und am nächsten Tag das Ergebnis begutachtet. Danach erfolgt eine mehrstündige Bildbearbeitung. Bis ein Astrobild fertig ist können inkl. Belichtungszeit 10 – 15 Stunden vergehen. Dies dann nicht an einem Stück, aber insgesamt arbeitet man so lange an einer Aufnahme.
Der Technik zum Trotz packe ich auch oft meine Geräte ein und fahre auf den nahegelegenen Örmterberg. Dort genieße ich dann die nächtliche Natur.

NGC 891 ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Andromeda. Aufnahme von Michael Kunze.
NGC 891 ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Andromeda. Aufnahme von Michael Kunze.

05) An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich habe mir ca. 10 Objekte herausgesucht, die ich über das gesamte Jahr hinweg immer mal belichte. Da man heutzutage eine Aufnahme nicht mehr einmal mehrere Stunden belichtet, sondern sehr oft ca. 2 Minuten Belichtungen erstellt und diese dann zusammenfügt, kann man mehrere Nächte an einem Objekt arbeiten. Gesamtbelichtungszeiten unter 4 Stunden lohnen hier kaum. Zu den Objekten gehören Galaxien wie M51 (Whirlpool-Galaxie) oder Planetarische Nebel wie M57, der Ringnebel in der Leier. Zudem arbeite ich an Zeitrafferaufnahmen des gestirnten nächtlichen Himmel. Das Auf- und Untergehen der Sterne in einer Nacht versuche ich in wenigen Minuten zusammenzuraffen. Das Besondere daran ist zudem, dass ich sehenswerte Orte oder Geschehnisse aussuche. Meine Aufnahmen findet man unter www.sky-in-motion.de.

06) Neben den Teleskopen ist der PC ein wichtiges Werkzeug für die Astrofotografie. Dazu kommt noch das Internet. Diskussionsforen, Webseiten, Blogs und Datenbanken wie etwa Simbad sind für viele unentbehrlich geworden. Wie stark nutzt Du für Deine Arbeit das Internet?

Ich nutze das Internet hauptsächlich zur Publikation meiner Aufnahmen. In Diskussionsforen versuche ich hin und wieder mal ein Problem zu lösen, greife hier aber hauptsächlich auf persönliche Kontakte zurück. Ansonsten kann man im Internet wunderbar Informationen recherchieren. Allerdings muss auch hier Vorsicht walten gelassen werden, weil manche Informationen falsch wiedergegeben werden. Leider nutzen viele Nutzer die Anonymisierung aus und vergreifen sich schnell im falschen Ton. Daher fühle ich mich in Foren nicht wohl.

Planetarischer Nebel NGC 6853, auch Hantelnebel genannt. Aufnahme von Michael Kunze.
Planetarischer Nebel NGC 6853, auch Hantelnebel genannt. Aufnahme von Michael Kunze.

07) Du betreibst mehrere Webseiten, wie etwa www.michaelkunze.de. Könntest Du Dir auch vorstellen einen eigenen Blog zu betreiben?

Nein. Hierzu ist meine Zeit einfach zu knapp.

08) Wie ist Deine Meinung zu „Sozialen Netzwerken“, wie Facebook, Twitter, StudiVZ, Xing, und dergleichen?

Richtig angewendet kann dies der Kommunikation sehr dienlich sein. Allerdings muss man neben dem ganzen Müll brauchbare Informationen suchen. Das ist anstrengend. Leider wissen viele Anwender sozialer Netzwerke eine sinnvolle Nutzung nicht zu schätzen.
Ich besuche immer noch Tagungen und Treffen. Hier zählt für mich der persönliche Kontakt.

12) Wenn Du auf Deine bisherige Karriere zurückblickst, worauf bist Du besonders stolz?

Ich hatte die Möglichkeit recht jung eine Stelle als IT-Leiter anzunehmen. Das macht irgendwo stolz und man kann seine Ideen umsetzen.

13) Gibt es einen Traum, den Du Dir erfüllen möchtest?

Ich möchte gerne mal zum Mond. Aber das wird wohl nur ein Traum bleiben.

14) Zum Abschluss möchte ich Dir eine sehr persönliche Frage stellen: was hast Du vom Leben gelernt?

Leider kann man nicht jedem vertrauen. Man muss immer vorsichtig sein!

Messier 57, auch Ringnebel genannt, ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Leier. Aufnahme von Michael Kunze.
Messier 57, auch Ringnebel genannt, ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Leier. Aufnahme von Michael Kunze.

 

 

Konzeptkunst zur SoFi 1999 – Space Art: Bild des Monats Mai 2013

MAI 2013

Diese beiden Bilder entstanden wärend der SoFi am 11. August 1999. Für jedes Werk brauchte ich nur knapp 10 Minuten.
Diese Konzeptkunst ist an ein flüchtiges Ereignis gebunden, wie hier die SoFi vor über 13 Jahren. Es ist nicht wiederholbar und somit einzigartig! Sie ist verloren in Zeit und Raum und nur diese zwei Bilder, zwei farbige Skizzen sind noch übrig, ein Echo des Enstehungsprozesses.

11.8.1999 - Sonnenfinsternis
Sonnenfinsternis 11.8.1999

Sonnenfinsternis A
Plakafarbe auf Karton, 40 x 60 cm, 1999.
Astrofoto-Nr. so090-41

 

Sonnenfinsternis B vom 11.8.1999
Sonnenfinsternis B vom 11.8.1999

Sonnenfinsternis B
Plakafarbe auf Karton, 60 x 40 cm, 1999.
Astrofoto-Nr. so090-40

 

Meine Kometen

Das Jahr der Kometen
Komet Panstarrs (C/2011 L4) wird bald die Sonne umrunden und ich bin gespannt ob der schmutzige Schneeball dieses Swing-by-Manöver überstehen wird. Falls ja, wird er in der Morgendämmerung auftauchen.

Zielpunkt Erde B
Space-Art: Bild des Monats Oktober 2011 – Zielpunkt Erde

 

Ab Mitte November 2013 soll Komet ISON (C/2012 S1) für fast acht Wochen mit dem bloßen Auge zu sehen sein. Zu Weihnachten wird er dann die ganze Nacht beobachtbar. Leider gibt es keine Formel um die Helligkeitsentwicklung eines Kometen zu berechnen. Der Kometenkern von ISON ist aber relativ groß, man schätzt ihn auf ca. 50 km. Dazu wird er der Erde und der Sonne relativ nahe kommen. Das alles sind gute Voraussetzungen für einen hellen Schweifstern. Das Jahr 2013 wird das Jahr der Kometen!

Raketenschild 1
Raketenschild 1
Könnten Nuklearwaffen den Einschlag eines Kometen auf der Erde verhindern?

 

Und dann ist da ja noch der Komet Siding Spring, der in Richtung Mars unterwegs ist. Wie Daniel Fischer gestern in seinem Blog Skyweek meldete, wird der Komet C/2013 A1 (Siding Spring) nicht auf dem Mars einschlagen.
Die Angaben beruhen auf neuen Berechnungen der NASA. Anscheinend lassen die aktuellen Beobachtungsdaten, die in die Berechnungen einfließen, bereits solche Vorhersagen zu.

Wahrscheinlichkeit eines Einschlages auf dem Mars
Space Art: Bild des Monats März 2013 – Komet C/2013 A1 (Siding Spring)

 

Anhand meiner Kometen kann man den Weg erkennen, den ich seit den 1980er Jahren zurückgelegt habe. Schauen Sie sich unten das Bild Raketenjäger an: mit dem Farbgitter und einer Zahnbürste habe ich damals dieses Bild erstellt. Kaum zu glauben!

Fruehwerk 78
Ein Experiment aus den 80er Jahren. Plakafarbe auf Papier, 70 x 100 cm

 

Space Art: Bild des Monats April 2013 – Pulsar mit Asteroidengürtel

APRIL 2013

Pulsar mit Asteroidengürtel
An Asteroid Belt Interpretation for the Timing Variations of the Millisecond Pulsar B1937+21

Pulsar mit Asteroidengürtel
Hier mein Versuch einer Illustration des Asteroidengürtels um den Pulsar B1937+21. Die 15 Seiten umfassende wissenschaftliche Abhandlung dazu (im Fachjargon „paper“ genannt) kann man sich als PDF von arXiv.org herunterladen.
Digital, gimp 2.8, Apophysis, 10000 px mal 7500 px, 2013.